Die evangelische Kirche in Breitscheid (Flyer)

Ursprünglich gehörte die Kirchengemeinde Breitscheid zu dem großen Kirchspiel Herborn. Da aber der Weg zur Mutterkirche in die 11 Kilometer weit entfernte Stadt beschwerlich war, erbaute die Gemeinde 1309 eine eigene Kapelle. Mit dem Pleban von Herborn wurde eine vertragliche Regelung über die Anstellung eines Kaplans vereinbart.

Die erste Breitscheider Kirche war dem heiligen Antonius geweiht. Von ihr ist heute nur noch der Turm erhalten. Seine Entstehung datiert noch vor 1349.  Das Kirchenschiff war auf Grund der Größe des Dorfes geräumiger als das anderer aus dieser Zeit stammenden Dorfkirchen. Es wurde 1629 erbaut, 1727 erweitert und stand bis zum Jahr 1969. Wegen Baufälligkeit musste dieses abgerissen werden. 1970 entstand neben dem mittelalterlichen Turm das neue Kirchenschiff.

Bis zur Einführung der Reformation um 1532/34 unter Graf Wilhelm von Nassau-Katzenelnbogen unterstand das Kirchspiel Herborn, zu dem die Breitscheider Kapelle gehörte, dem Erzbistum Trier und wurde vom Deutschorden, Deutschhaus Marburg, verwaltet.

Als erster lutherischer Pfarrer wird Jakob Ebersbach erwähnt. In seiner über 50jährigen Amtszeit erlebte er noch den Glaubenswechsel zum calvinistisch-reformierten Bekenntnis unter Graf Johann VI von Nassau-Katzenelnbogen. 1586 wurden die Kapellen von Breitscheid und Medenbach zu einem Kirchspiel vereinigt. Rabenscheid kam 1819 noch hinzu. Es schied aber 1961 nach 142 Jahren wieder aus und gehört seitdem zum benachbarten Kirchspiel Liebenscheid.

Im Advent 1970 wurde die Breitscheider Kirche in ihrer heutigen Form neu eingeweiht. Seitem zeigt sie, zusammen mit dem Turm, Altes und Modernes in neuer Kombination.

Bei umfassenden Baumaßnahmen wurden im Turm bis dahin übertünchte Wandmalereien wiederentdeckt. Die Wandgemälde zeigen unter anderem einen Ritter mit schwarzen Kreuz, als möglich Hinweis auf den Deutschorden, Petrus, zwei Engel, Paulus und auch Kranke; manches ist nicht mehr zu erkennen.

Hier einige Bilder von den Wandgemälden:

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Das Geläut der Kirche besteht aus vier Glocken, zu denen zwei mittelalterliche gehören. Die älteste Glocke wurde von Johann Brauweiler gegossen. Ihre Inschrift liest in übertragener Form:

„Jesus Maris heiße ich, die Gewitter breche ich, die Toten beweine ich, die Gotteslästerer rufe ich. Im Jahr des Herrn 1450“.

Die älteste Glocke wurde während des Zweiten Weltkrieges zum Einschmelzen für Kriegszwecke abtransportiert. 1949 konnte sie jedoch unbeschädigt wieder zurück gebracht und in den Kirchturm eingesetzt werden.

Über den Erbauer der Orgel mit dem dreiteiligen Prospekt ist nichts Genaues bekannt. Nach einer Inschrift von 1757 auf dem alten Holzwerk könnte Johannes Tröst der Erbauer gewesen sein. Dagegen wird in anderen schriftlichen Unterlagen von 1788 ein Orgelbauer aus Griedel bei Butzbach erwähnt. Letzterer könnte die Orgel auch umgebaut oder erneuert haben. Im Rahmen des Kirchenneubaus von 1970 hat die Firma Förster & Nicolaus in Lich die Orgel erweitert und umgebaut.

Die sechsseitige Kanzel ist auf einer gedrehten Säule aufgesetzt und zeigt auf jeder Fläche zwei übereinander liegende Füllungen verschiedener Größe; Alter und Erbauer der Kanzel sind unbekannt. Der Altar in seiner jetzigen Gestalt wurde 1970 anlässlich der Neueinweihung der Kirche aufgestellt.

Seit 1991 ziert ein neuer Taufstein aus Diabas die evangelische Kirche. Er ist das Meisterstück des Breitscheider Steinmetzmeister Christof Henn. Dessen Vater, Hans Henn, schuf im selben Jahr den Ständer für die Osterkerze aus südafrikanischen Syenit; ebenso das Lesepult aus Diabas.

Den schmiedeeisernen Kerzenbaum fertigte Hans Hackl. Anlässlich ihrer Konfirmation am 10.5.2009 weihten ihn 10 Konfirmanden im Festgottesdienst ein.

Diese Information gibt es auch als einen ausdruckbaren Flyer.