Kennen wir uns eigentlich schon?

Ein Offener Brief unseres Pfarrers Herrn Horst Martin Stancke:

Liebe Gemeindeglieder,

die Zeit vergeht wie im Flug; das trifft auch auf unsere Zeit hier in Breitscheid und Medenbach zu.

Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Im Januar sind wir als Familie schon zehn Jahre hier. Letztens kam mir der Gedanke, ob wir – Sie und ich – uns überhaupt schon kennen. Merkwürdige Frage denken Sie vielleicht, aber sie ist berechtigt.

Hunderte Besuche habe ich nun schon in den Häusern unserer Gemeindeglieder gemacht, aber viele von Ihnen kenne ich noch gar nicht. Über diesen Brief können wir uns aber vielleicht kennen lernen oder auch neu kennen lernen. Dazu stelle ich mich Ihnen am besten noch einmal vor; es kann ja sein, wir kommen miteinander in Kontakt. Also dann:

Ich bin gar nicht mal so weit von hier aufgewachsen; in Westerburg, als Schreinersohn. Westerwälder bin ich, wie viele von Ihnen auch. Aber es hielt mich nur bis zur Jugendzeit hier. Als Kind wollte ich schon immer gerne Sprachen lernen, Koch werden und die Welt bereisen.

Das klappte auch: In Limburg a. d. Lahn machte ich meine Lehre und dann ging´s weg von daheim. Siebzehn war ich und zog nach München. In einem richtig guten Hotel begann ich meine Gesellenzeit. In Hotels und Restaurants in London, Berlin, Toronto / Kanada und auf den Bermudas konnte ich in den Jahren danach noch vieles lernen und besondere Erfahrungen sammeln. Das Reisen kam dabei natürlich nicht zu kurz. Immer blieb ich etwa ein Jahr an einem Ort; so machen es auch heute noch viele in meiner alten Berufssparte. Sich den Wind der weiten Welt um die Nase wehen zu lassen, ist einfach faszinierend und schön.

Mit dem Schritt über den „großen Teich“ hatte sich 1975 mein größter Jugendtraum erfüllt; ich war in Kanada. Ich hatte erreicht, was ich wollte und worauf ich hin gearbeitet hatte.

Allerdings kamen mir auch unvermittelt Fragen, die mich zum Nachdenken brachten: Worum geht´s eigentlich im Leben? Was hat das alles für einen Sinn? Ich wusste auch, dass ich nicht mein ganzes Leben lang nur von einem Ort zum andern reisen konnte. Meine Fragen brachten mich zum Beten. Tisch- und Abendgebete waren mir zwar bekannt, aber jetzt war mein Beten doch anders – persönlicher. Ich konnte Gott ganz ehrlich meine Fragen sagen und ich hatte den Eindruck, dass er hörte. Er war da, ganz nah bei mir, in meinem Hotelzimmer. – Dieses Beten war der Beginn eines neuen Lebensabschnitts.

Etwa drei Monate später bekam ich ein Buch aus Deutschland geschickt: Jesus unser Schicksal mit Vorträgen des Jugendpfarrers Wilhelm Busch. Was ich darin las, faszinierte mich. Wenn ich nachts nach der Arbeit wieder zu Hause war, las ich Abschnitt für Abschnitt. Mit der Zeit verstand ich immer mehr von Jesus, was ich vorher nie so verstanden hatte. Auf einmal war die Bibel für mich nicht mehr nur das Buch mit Geschichten von früher, sondern sie wurde für mich zum Lebensbuch und brandaktuell.

Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich früher das Kreuz Jesu als Zeichen des Todes ansah; es war mir unheimlich. Für das Ende des Lebens stand das Kreuz, so dachte ich; auf Gräbern zum Beispiel. Aber welcher junge Mensch will schon was mit dem Tod zu tun haben? Ich auf jeden Fall nicht! Doch mit der Zeit lernte ich, dass Jesu Kreuz das Zeichen der Liebe Gottes ist, das Zeichen des Lebens.

Überhaupt begriff ich erst durch Wilhelm Busch, wer Jesus war und was er uns bedeutet. Mit dem Ende des Buches habe ich dann ganz bewusst im Gebet mein Leben Jesus anvertraut.

Kaum zu beschreiben, wie besonders die darauf folgende Zeit war, und in mir verspürte ich den Wunsch, anderen von Jesus zu erzählen. Das wollte ich auf jeden Fall. Hinzu kam auch das Bedürfnis, zur Kirche zu gehen; also besuchte ich die nächstbeste in meiner Nachbarschaft. Ich fühlte mich dazu gedrängt und fing an, zum ersten Mal mit großem Interesse die Bibel zu lesen; die Geschichte Gottes mit uns Menschen.

Später, auf den Bermudas, lebte ich zwar ohne Gemeinde und ohne Gottesdienste, aber ich blieb beim Bibellesen. – Nach dem Leben auf den Inseln zog es mich wieder nach Berlin. Dort erlebte ich viele Andachten und Gottesdienste in der Gedächtniskirche und schloss mich einer Gemeinde an. Die Ausbildung zum Hotelbetriebswirt habe ich zwei Jahre lang in Berlin gemacht und plante, anschließend nach Asien zu gehen, um dort im Hotel – Management zu arbeiten.

Das aber verwarf ich, denn innerlich war ich auf einem ganz anderen Weg. Ich erlebte Gottes Führung ans Missionsseminar in Hermannsburg. Dort wollte ich Theologie studieren und dann auf jeden Fall wieder ins Ausland gehen. Bis zum ersten theologischen Examen dauerte es sieben Jahre. Danach ging´s ins Vikariat (Zwischenausbildung); für je ein Jahr nach Hildesheim und nach Miami. Das zweite theologische Examen folgte und anschließend reiste ich nach Südafrika aus. Zulu lernte ich für ein Jahr an der Uni in Durban und dann war es soweit: Ich wurde Pastor von mehreren Zulugemeinden im Kirchenkreis Ekhombela in Kwa-Zulu Natal.

Vieles gäbe es aus dem Leben der Gemeinden zu erzählen, aus der Zeit des politischen Umbruchs, von guten und schweren Zeiten in einer mir fremden Kultur und dem uns fernen Afrika. Besonders war, dass meine Frau und ich uns in Südafrika kennen lernten. Von Beruf Erzieherin, lebte sie damals in einer christlichen Gemeinschaft im Odenwald und war mit einer Freundin auf der Reise durchs Land.

Etwa drei Jahre nachdem wir uns kennen gelernt hatten, heirateten wir in Deutschland; dann aber auch noch einmal mit Rinder-schlachten und einem großen Fest in Afrika. Für unsere Gemeindeglieder, die gerne feiern, hätte das gar nicht anders sein können.

Mit drei Kindern zogen wir 1999 zurück in die Heimat und fassten nicht weit von hier, in Wilsbach, Fuß. Wie gut, dass wir uns dort wieder einleben konnten.

Unser viertes Kind wurde in heimischen Landen geboren und zusammen mit unseren vier Sprösslingen kamen wir dann im Januar 2003 hier nach Breitscheid und Medenbach. Wir hatten uns zwar nicht auf diese Stelle beworben, aber der hiesige Kirchenvorstand fragte uns, ob wir hierher kommen wollten. Darin sahen wir Gottes Führung.

Nun, zehn Jahre später, haben wir den Eindruck, dass wir in Breitscheid – Medenbach immer noch am rechten Ort sind; durch mancherlei Zeichen sehen wir das als von Gott bestätigt. – Also haben wir auch noch Zeit, einander kennen zu lernen. Mich würde das auf jeden Fall freuen!

Wenn Sie möchten, dann laden Sie mich gerne einmal zu sich ein, oder Sie nehmen Teil an einem unserer Gottesdienste und feiern mit uns. So können wir einander begegnen und miteinander ins Gespräch kommen.

Es wäre schön, wenn wir die Zeit, die Gott uns schenkt, zum gegenseitigen Kennenlernen nutzen. In der Bibel steht, dass er die Zeit und uns in seinen Händen hält. Auf ihn können wir zählen, und er meint es gut mit uns. – Was wird wohl das Gute sein, das wir in diesem Jahr mit ihm erfahren dürfen?

Ihnen und Ihrer Familie wünsche ich Gottes Segen; somit das Beste fürs neue Jahr 2013.

Bleiben Sie Gott befohlen!

Ihr
H .M. Stancke, Pfr.
Breitscheid, den 6.1.2013

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